Interview zum Einjährigen

2016-28-9-20-13-27

Hallo Bulbul, darf ich Dir mal ein paar Fragen stellen?

„Hallo,

ja natürlich.“

Dieser achtundzwanzigste September ist ein Jubiläumstag für uns

Kannst Du unseren Lesern einmal erläutern weshalb es einer ist?

„Heute vor einem Jahr bin ich mit Lutz Balschuweit und Masood Akhtar erstmal (ungefähr 2km) gelaufen.

Von diesem Tag habe ich mit Laufen angefangen.“

Was hast Du nach diesem ersten Lauf gedacht? Hat es Spaß gemacht?

„Nachdem erstmaligen Laufen fühlte ich mich nicht so besonders gut, weil ich fast überall schmerzen hatte 😂.

Aber ich erinnere mich immer noch: ich hatte ein sehr gutes Gefühl und gute Laune.“

Und wie ging es dann in den nächsten Tagen weiter?

„Ich hatte aber nicht aufgehört sondern weiter gelaufen.

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt fühlte ich mich wohl.“

Ok, was ist Dein Fazit und was planst Du für die Zukunft?

„Seit dem ich mit Laufen angefangen habe, bleibe ich sowohl Fit als auch fast immer gesund.

Deswegen versuche ich regelmäßig laufen.“

Danke für Deine Zeit und das Interview

[Das war unser erster gemeinsamen Lauf]

„They just couldn’t believe that someone would do all that running for no particular reason.“ Forrest Gump

Ich bin überwältigt

Bulbul holte mich wieder ab zum Morgenlauf. Scheinbar passt es ihm gut, die ersten anderthalb Kilometer alleine zu laufen und mich dann erst im Schlepptau zu haben

Wir drehen dann eine große Stadtrunde bis zum Belten und zurück, so dass er rechtzeitig vor dem Unterricht der VHS wieder zurück ist

Dann lief ich wieder auf die Balkantrasse in Richtung Lennep. In Höhe Obi-Zentrale wartete Martin auf mich und „trug“ mich in einem für mich etwas flotteren Tempo bis zum Bahnhof in Lennep

Wenn man zu zweit läuft geht das ja viel einfacher vom Fuß

Die Strecke fliegt nur so an einem vorbei – bei dem ganzen Gequatsche

Ab Lennep lief ich dann aber wieder alleine nach Hause und wurde von sehr vielen Radfahrern immer noch zu meiner Erdumrundung im Täglichlaufen gratuliert

Das machte mich stutzig und natürlich gleichzeitig stolz

Zu Hause angekommen bekam ich auch noch Glückwünsche von verschiedenen Leuten über den Messenger WhatsApp und jetzt war ich mir sicher, dass bestimmt heute wieder in irgendeiner Zeitung ein Bericht darüber erschienen sein musste. Das kann ja gar nicht anders sein, denn so ein großartiges Ereignis ist so ein Lauf um die Welt ja nun auch nicht, dass man sich das über eine Woche lang merkt und mich deshalb gratuliert. Deshalb fragte ich einen Gratulanten und bekam das Foto aus dem Bergischen Anzeiger :)

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Ich bin überwältigt und freue mich immer noch

Und Paul freut sich auch jeden Tag, wenn ich nach Hause komme und mit ihm etwas Ball spiele :mrgreen:

Gymnastik, Obst, Joghurt und Körner

„They just couldn’t believe that someone would do all that running for no particular reason.“ Forrest Gump

Das ist schon Alltag

In den Nachrichten wird jeden Tag über den Krieg in Syrien berichtet –

Anja und ich sitzen wie fast jeden Tag in letzter Zeit um die Mittagszeit im Eiscafé Cordella und warten auf Menschen mit Fragen zu ihren Asylangelegenheiten

Dann kommt Qussay mit einem anderen Syrer an unseren Tisch und fragt, ob wir Zeit haben. Ja haben wir

Er hält die Formulare der Arbeitsagentur in Händen und seine BÜMA und seinen Asylbescheid, worin ihm bescheidet wurde, dass er kein Asyl bekommt, aber subsidiären Schutz. Erstmal für ein Jahr

Er, Jahrgang neunundsechzig, war in Syrien Busfahrer, hat einen internationalen Führerschein und sucht jetzt Arbeit. Seine Familie kann er nicht nachholen. Die bleiben im Krieg

und wir sitzen im fernen Deutschland, im italienischen Eiscafé und helfen dem Syrer beim Ausfüllen der Formulare des Jobcenters…

Jeden Tag Laufen – Jeden Tag Sport